BioShock: Objektivismus und Minimalstaat

Andrew Ryan ist der Gründer der utopischen Unterwasserstadt Rapture im Shooter “BioShock” und soll eine Anspielung und Kritik zu Ayn Rand und ihren Ideen sein. Wüsste ich nicht wie korrupt und wahnsinnig er am Ende würde, ich würde ihn wählen. Anfangs hatte er ja auch noch respektable Ideale, nur die Umsetzung in Rapture war dann ja ziemlich fragwürdig. Aus seiner Ideologie heraus konnte er natürlich nicht gegen Fontaine/Atlas vorgehen, aber es kann doch auch nicht im Interesse einer Gesellschaft sein, sich von einem Usurpator unterwandern zu lassen. Wenn die eigenen Prinzipien einem Schaden, sollte man sie noch mal überdenken. Ryan hat sich geweigert dies zu tun und hat sich stattdessen alles zurecht rationalisiert. Bis er dann völlig durchdrehte und zum Diktator und Mörder mutierte.

Auch wenn das Spiel wahrscheinlich eine Kritik am Objektivismus und Minimalstaat sein soll, zeigt es eigentlich eher was in einem anarcho-kapitalistischen System passieren würde (ich meine Luft privatisieren? Ernsthaft?). Egal wie ich mich drehe und wende, ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass ein Minimalstaat in Form einer durch eine Verfassung begrenzten Demokratie mit einer Regierung die den Menschen dient (nicht umgekehrt) das beste System zum Schutz von Individuellen Rechten ist.

Die große Frage ist halt: Wie, wenn überhaupt, geht strong government ohne big government? Was muss ein Minimalstaat (zusätzlich zu Polizei, Militär und Gerichten wie Ayn Rand es befürwortete) leisten können/dürfen, um die Rechte der Einwohner zu schützen* und wie begrenzt muss er gleichzeitig sein, dass er sich nicht zu einem überregulierenden, paternalistisch-autoritären Umverteilungs-Wohlfahrtsstaat wie Deutschland heutzutage entwickelt?

Auch wenn es pessimistisch klingt: Es ist wahrscheinlich eine Utopie zu denken, man könnte sowas auf ewig verhindern, aber man kann diesen Prozess durch eine gute Verfassung zumindest verlangsamen und es den Parasiten, Dirigisten, Opportunisten usw. erheblich erschweren.

We are a nation that has a government - not the other way around. And this makes us special among the nations of the earth.

-- President Ronald Reagan

Zwar ist auch Amerika mittlerweile ein reines Bürokratiemonster mit diversen Regulierungsbehörden. Aber man vergleiche nur mal die USA, ein explizit auf minarchistischen Prinzipien gegründetes Land, mit Deutschland, welches sozialistische Klauseln wie Art. 14 (2) GG aufweist („Eigentum verpflichtet“) in der Hinsicht, wie lange es gedauert hat, bis sie diesen Zustand erreichten: USA 150 Jahre und Deutschland 70 Jahre (sogar nur 30 Jahre im Falle Ost-Deutschlands). Und die USA haben immer noch sehr viel größeren Respekt vor individueller Freiheit, Unternehmertum usw.

Ich finde BioShock ist eine perfekte case-study für Politikwissenschaftler. Ich würde gerne mal eine in die Tiefe gehende Analyse dazu sehen. Auch gerne von Objektivisten, um zu erfahren, inwieweit Rapture überhaupt Ayn Rands tatsächliche Ideale abbildet (nicht viel schätze ich mal). Der einzige mir bekannte deutsche Objektivist Andreas Müller hat das Spiel zwar ein paar mal erwähnt, aber ist leider nicht weiter darauf eingegangen.

Edit: Herr Müller hat jetzt auch eine kleine Analyse zu Rapture geschrieben: Warum Rapture gescheitert ist.


*Können zb. auch wie im Fall BioShock Regeln für Werbung und Entwicklung gefährlicher Technologien aufgestellt werden, um die Leute vor Plasmidmissbrauch zu schützen? Immerhin zerstörte dieser ihre Vernunft und ihre Menschlichkeit, also die Grundlagen der Fähigkeit überhaupt Träger von Rechten sein zu können.

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