YouGov, Kapitalismus und Klimawandel

Ich habe mir heute ein Profil auf der Umfrage-Plattform “YouGov“ erstellt und mal meine ketzerischen Meinungen zu Gentechnik, Klimapolitik und diversen Parteien kundgetan. Und zack, schon fühlte sich jemand getriggert:

Zugegeben, ich habe sehr provokativ und unsachlich (z.B. „Ökodiktatur“) geschrieben – wenn auch sehr zutreffend, wie ich finde. Da man leider nicht auf Kommentare antworten kann, ich es aber auch nicht so einfach stehen lassen will, gehe ich halt hier auf die „Argumente“ des getriggerten ein. Er wird das hier zwar wahrscheinlich nicht lesen, ist aber glaube ich auch besser so, denn ich bezweifle, dass wir auf einen Nenner kommen würden.

„Schnappatmung“
Ich weiß, ich lasse mich bei diesen Themen auch zu sehr triggern. Dieses Problem habe ich schon länger: Als ich so ca. 2011-2013 meine religionskritische Phase hatte, habe ich versucht so oft es geht dieses Thema anzusprechen, egal mit wem ich mich unterhalten habe. Insbesondere Kreationisten hatten es mir angetan (und zwar nicht im positiven Sinne). Es gab viele Nächte in denen ich es nicht schaffte einzuschlafen, in denen ich tatsächlich bis drei 3:00 Uhr nachts wach lag, weil ich mir über die Ignoranz dieser Evolutionsleugner den Kopf zerbrochen habe. Heute geht es mir genauso mit Linken. Keine Ahnung warum, aber ich bin total neurotisch was das angeht.

Und trotzdem: Die Freiheiten – insbesondere die wirtschaftlichen – die der Liberalismus uns gebracht hat und der daraus resultierende Wohlstand, sollten jedem halbwegs vernünftigen und anständigen Menschen ein Wert sein. Der Liberalismus hat die Menschen aus der Ständegesellschaft befreit (also den Klassenkampf beendet) und ihnen die Möglichkeit gegeben, durch eigene Anstrengungen nach dem zu streben, was immer sie wollen (soziale Mobilität). Wenn jetzt also jemand über den Liberalismus oder den ach-so-bösen Kapitalismus schimpft, kommt das bei mir folgendermaßen an: „Ich will zurück in eine primitive, gewalttätige, autoritäre Klassengesellschaft, damit ich dessen Macht zu meinen Gunsten nutzen kann und um meine Wertvorstellungen allen anderen aufzudrücken“.
Früher war ich sogar so naiv genug zu glauben, dass im Grunde jeder liberal ist und man oft einfach nur aneinander vorbei redet. Deswegen schockiert es mich immer wieder, wie viele Menschen ganz offen und reflexartig Freiheitseinschränkungen fordern, ohne über die langfristigen Konsequenzen nachzudenken.

Was ich damit sagen will ist, dass jeder, der diese Prinzipien verstanden hat, zur „Schnappatmung“ neigen sollte, d.h. jeder sollte empört sein über den „default-mode“, die Standardvorgehensweise der Grünen, den Bürgern noch mehr Freiheiten und/oder Geld zu nehmen. Denn wie ich bereits im YouGov-Beitrag geschrieben habe, ist es eine uralte Taktik Krisen – ob tatsächliche oder herbei fantasierte – als Ausrede und Gelegenheit zu benutzen, um die Staatsmacht auszuweiten und den Bürger noch mehr zu schröpfen und zu kontrollieren. Es ist nämlich nicht nötig, die Leute mit noch einer Steuer/Abgabe zu belasten, denn es gibt Alternativen:

  1. Atomkraftwerke der vierten Generation, die entweder inhärent sicher (also zu keiner Kernschmelze fähig) sind und/oder mit dem angeblichen Müll der alten Kraftwerke laufen (sowie dessen Halbwertszeit verringern). Das heißt nicht, dass man nur auf Kernkraftwerke setzen sollte, aber man sollte die Vorteile dieser zumindest anerkennen. Das praktisch alle großen Nationen darüber reden und daran forschen, nur Deutschland nicht, ist peinlich.
  2. Gentechnik, die angewendet bei Pflanzen und Tieren die Menge an benötigter Nutzfläche und den Bedarf an Chemikalien bzw. Antibiotika u. ä. reduzieren könnte. Zudem könnte man wurzellose Pflanzen wie Moos gentechnisch verändern, um mehr Sauerstoff zu produzieren. Dieses Moos könnte man großflächig an den Fassaden in Großstädten anbringen, wo es dann als natürlicher Luftfilter dient. Auch an Fleisch aus dem Labor wird ja gerade gearbeitet, welches – wenn perfektioniert – den Viehbestand drastisch reduzieren wird.
    Eine andere Idee von mir (an der sogar glaube ich schon geforscht wird): biolumineszente Bäume, die als Straßenlaternen dienen. Brauchen kein Strom und sind wahrscheinlich günstiger herzustellen.

Man sieht also, dass wie immer der menschliche Erfindergeist und neue Technologien die Lösung sind. Das passt aber diversen Ideologen nicht in ihr naturromantisches Weltbild, auch nicht den diversen subventionierten Firmen und NGOs. Den Linken schon gar nicht, denn dann haben sie keine Rechtfertigung mehr für einen Systemwechsel.

Jetzt besteht eine Nachfrage nach ökologischem Bewusstsein und der Markt bedient diese.
Ein sehr schönes Beispiel für einen Strohmann, den man als Kapitalismus-Befürworter des öfteren hört. Den fand er offenbar so toll, den hat er gleich ein zweites Mal gebracht:

Der Strohmann besteht darin, dass er mir Heuchelei unterstellt, weil ich angeblich anderen ihren ökologischen Lebensstil verbieten wolle, was ich aber nirgendwo geschrieben oder auch nur angedeutet habe. Der Denkfehler der hier begangen wird ist nicht nur für Linke typisch: Kritik wird automatisch als Versuch gewertet, die kritisierte Sichtweise gesetzlich zu verbieten. Bei Kritik am eigenen Weltbild fürchtet man also sofort um die eigene Freiheit. Ich denke, das ist ein wichtiger Grund für die Erklärung, warum viele Menschen bei Kritik am eigenen Weltbild sofort „dicht machen“. Diese Angst ist leider berechtigt, denn oft ist es ja auch so, dass jemand, der etwas als ungerecht kritisiert, es auch durch politische und gesetzliche Maßnahmen, also Zwang, ändern will. Es werden also Politik und Ethik miteinander gleichgesetzt. Dabei ist es nicht zwangsläufig nötig jede Ungerechtigkeit politisch zu bekämpfen. In den meisten Fällen reicht soziale Ächtung.*
Denn zumindest aus liberaler/libertärer Sicht ist die Aufgabe des Staates nicht, den Moralwächter zu spielen (wessen Moral sollte er vertreten und warum gerade diese? Woher nimmt er sich das Recht, diese Moral allen Menschen aufzuzwingen?), sondern seine Aufgabe ist nur, das Recht der Menschen auf Leben zu schützen, indem er Gewalt aus dem alltäglichen Leben verbannt. Eine sehr unbeliebte Auffassung, da es echte Toleranz und Gerechtigkeit bedeuten würde und man nicht mehr so einfach anderen die eigenen Werte aufzwingen könnte.

Die persönliche Lebensführung von anderen oder was sie essen geht mir ziemlich am Arsch vorbei. Ich habe kein Bedürfnis, es ihnen zu verbieten. Ich kann aber trotzdem sagen, für wie bescheuert ich es halte und was ich für eine bessere Alternative halte. Wenn Markt und Produzenten frei wären, könnten ich und andere, die es wollen, nur noch Gentech-Food kaufen und die Ökos ihre komischen Tofu Sachen. Wenn nicht genügend Leute Gentechnik wollen und sich die Produktion nicht lohnt – was ich bezweifle – habe ich halt Pech gehabt. Andersherum gilt das aber offenbar nicht, denn Gentechnik ist in der EU verboten und somit wird mir faktisch gesetzlich vorgeschrieben, was ich essen darf. Gesetze, die Grüne Ideologen in ihrer Paranoia vor „unvorhersehbaren Folgen“ durchgesetzt haben und damit den wissenschaftlichen und Landwirtschaftlichen Fortschritt verhindern. Und dann muss ich mich von solchen Ideologen auch noch der Heuchelei bezichtigen lassen, wenn ich mich beschwere. Klassische Tatsachenumkehr. Jetzt frage mich nochmal jemand, warum ich auf dieses ganze Öko-/Klimawandel Thema so genervt reagiere.

So, das wollte ich einfach nur mal loswerden.


*Ein Restaurantbesitzer, der z.B. keine Homosexuellen bedienen will, ist vielleicht ein Arschloch, aber er hat immer noch Hausrecht. Der Staat hat nicht das Recht in seine Eigentumsrechte einzugreifen, auch nicht dann, wenn die meisten sich einig sind, das er unmoralisch handelt. Soll er doch versuchen, Homosexuelle zu verbannen. Er wird schon sehen, was er in der heutigen Zeit davon hat…

Der Neid auf Reiche

Einige Kommentatoren unter dem Video “Zur Hölle mit den Reichen” – Dr. Dr. Rainer Zitelmann (Roland Baader-Treffen 2019) kritisierten, dass die Leute „die (Super-)Reichen” nicht aus Neid verurteilten, sondern weil diese oft nicht durch einen fairen Wettbewerbsprozess in ihre Position gekommen seien, dass sie ihnen durchaus ihren Reichtum gönnen würden, hätten sie ihn auf ehrliche Weise erworben.

Das wäre allerdings nur dann richtig, wenn der extreme Hass, den manche auf Reiche haben, die Richtigen, also die „Crony Capitalists“, die Vetternwirtschaft betreiben, träfe. Tut es aber meistens nicht, denn Reiche werden meist in (bewusst oder unbewusst) marxistischer Tradition pauschal als “Ausbeuter“ abgetan (als gäbe es im Westen heute noch systematische Ausbeutung). Zumindest, solange sie nicht wie ein Bill Gates durch exzessive Wohltätigkeit auffallen, also eine Art Ablasshandel für ihre „Sünde“ reich zu sein durchführen um sich die Gnade des Kollektivs zu erkaufen.

So zerstört der sozialistische Gleichheitswahn die wirtschaftliche Grundlage für eine wahrhaft wohlhabende Gesellschaft. Wichtiger noch, er zerstört die Freiheit der Bürger, weil die Bürger in einer wirklich freien Gesellschaft das natürliche und gottgegebene Recht besitzen, so viel Vermögen zu erwerben, wie sie möchten, und damit zu tun, was immer sie möchten.

1. März 2019 – von Jacob G. Hornberger

Unsere ganze Umverteilungsmaschinerie verursacht ein einziges Chaos – nicht nur ökonomisch und juristisch gesehen, sondern vor allem moralisch. Und ich glaube genau das ist das Problem in unserer Mischökonomie: Dass man nie genau weiß, wem was zusteht oder ob jemand auch wirklich komplett auf ehrliche Art und Weise reich und erfolgreich geworden ist. Deswegen kann man nicht einfach darauf hinweisen, dass Unternehmer auf einem freien Markt ausschließlich dadurch Geld erhalten, indem Leute ihnen ihre Produkte freiwillig abkaufen, da dann sofort darauf entgegnet wird, dass dies ja in der Realität oft nicht der Fall sei, weshalb man da mittels Staatsgewalt eingreifen müsse. Anders ausgedrückt ist das Problem, dass die durch den Staat/das System verursachten Wettbewerbsverzerrungen den freien Aspekten im System, also dem Kapitalismus, in die Schuhe geschoben werden. Der Staat erhält somit immer weitere Ausreden, seine Einwohner ins Kollektiv zu zwingen.

Da Kontrollen weitere Kontrollen erfordern und hervorbringen, war es das statische Element der Mischwirtschaft, das sie zerstörte; es war das freie, kapitalistische Element, das die Schuld bekam.

– Ayn Rand, Kapitalismus: Das unbekannte Ideal

Genau das meinen Libertäre/Kapitalisten, wenn sie sagen, dass Sozialismus, Interventionismus oder wie auch immer man es nennen will, zu Neid und Misstrauen führen. Da jede Interessengruppe versucht das Geld an sich umverteilen zu lassen (= Lobbyismus). Das macht es so verdammt schwierig für die Prinzipien der freien Marktwirtschaft zu argumentieren, weil es nun mal einfacher ist, das System zu seinen eigenen Gunsten auszunutzen, statt es grundlegend zu reformieren und für alle fairer zu machen. Da mit den Vorurteilen gegenüber Reichen aber auch oft Forderungen höherer Besteuerung oder gar Enteignung (ja, ich meine dich, Kollektivierungs-Kevin!), also Diebstahl, einhergehen, muss dem immer wieder in aller Deutlichkeit widersprochen werden.

Auf einen Streik der Reichen bzw. der Produktiven wie in Atlas Shrugged wird man leider nicht hoffen dürfen. Ms. Rand hat allerdings einen großen Beitrag dazu geleistet, die Ideale, an der sich eine freie, vernünftige Gesellschaft orientieren sollte, zu formulieren:

„Der freie Markt repräsentiert die gesellschaftlich Anwendung einer objektiven Werttheorie. Da Werte vom menschlichen Geist entdeckt werden müssen, müssen Menschen frei sein, sie zu entdecken — zu denken, zu studieren, ihrem Wissen physische Form zu verleihen, ihre Produkte zum Tausch anzubieten, sie zu beurteilen und auszuwählen – seien es nun materielle Waren oder Ideen, ein Laib Brot oder eine philosophische Abhandlung. Da Werte in einem Kontext entstehen, muss jeder Mensch im Kontext seines eigenen Wissens, seiner Ziele und Interessen für sich urteilen. Da Werte vom Wesen der Realität bestimmt werden, dient die Realität als letztendlicher Schiedsrichter: Wenn das Urteil eines Menschen richtig ist, gehört der Lohn ihm, wenn es falsch ist, ist er selbst sein einziges Opfer.“

– Ayn Rand, Kapitalismus: Das unbekannte Ideal

Zudem erklärt Andreas Müller in seinem Blog-Beitrag „Reiche sind keine Frohnherren mehr“ wie veraltet das Bild von Reichen bei vielen Menschen offenbar noch ist:

Offenbar ist die öffentliche Wahrnehmung der „Reichen“ einfach vom Mittelalter auf den Kapitalismus übertragen worden. Obwohl sich die Art und Weise, wie man reich wird, vollkommen geändert hat. Kapitalismuskritiker sind so reaktionär, dass ihr politisches Weltbild über tausend Jahre alt ist und sich gänzlich unbeeindruckt zeigt von den revolutionären Veränderungen seit der Industrialisierung.

18. Februar 2016 – von Feuerbringer

Political spectrums – Quora

I found this graphic of political spectrums today and found it very interesting. Don’t know how accurate it is, but I’d situate myself on the very top somewhere around the middle between liberal and libertarian (with a strong tendency towards libertarian). Though I generally think markets should be as free as possible, I’m not sure if there are maybe areas where free markets should exist (e.g. road construction) or not (e.g. health care) or a mix of both, but I’m not sure about that yet. But I know enough about politics and economics to realise the menace(s) of centralised power and big government though, so I’ll give the libertarian side the benefit of the doubt for the time being.